Microsoft CEO Bill Gates und Apple CEO Steve Jobs im gemeinsamen Interview (AllThingsD Highlights)

Nicht weniger als ein historischer Moment: Microsoft-Chef Bill Gates spricht mit Apple-Chef Steve Jobs. Vor laufenden Kameras. Und über die heiklen Themen zwischen Apple und Microsoft. Damit man das richtig einschätzen kann eine kurze Geschichte der Beziehungen.
Beide waren die ersten, die ein kommerzielles Betriebssystem entwickelt haben. Apple hat die Idee von Programmfenstern entwickelt, Gates hat sie kopiert und Windows genannt. Beide gehören zu den Pionieren des Computerzeitalters - und zu den Wenigen, die nach wie vor an der Spitze ihrer Firma stehen. Die Konzepte der beiden unterscheiden sich: Gates steht für den Volks-PC, eine Standardmaschine mit zahllosen Schnittstellen, die letztendlich ausschlaggebend für die Entwicklung beinah der gesamten Softwareindustrie waren, die wir heute kennen. Apple hat dagegen auf Qualität aus einem Guss gesetzt: Die Apple Macintosh Computer liefen lange nur mit der Hardware aus dem eigenen Haus, galten als quasi immun gegen Abstürze, schneller, intuitiver und sicherer. Apple ist bis heute das Werkzeug der Designer, der Kreativen, der Erlesenen.

In den letzten Monaten hat sich der Konflikt zwischen beiden Konzernen zugespitzt: Steve Jobs hat 2006 den Google CEO Eric Schmidt in den Apple Verwaltungsrat aufgenommen und damit einer Kooperation der härtesten Konkurrenten von Microsoft beschlossen. Mit dem iPod hat Apple einen Riesencoup gelanded, an den Microsoft mit seinen MP3-Playern nie wird anknüpfen können. Der Boom hat den Verkauf der Heimcomputer von Apple angekurbelt und das Image gestärkt. Während Microsoft versucht hat, die Einbrüche der Musikindustrie mit einem aufwändig entwickelten Kopierschutzstandard für digitale Musik aufzuhalten, verdient Apple Millionen mit dem Onlineverkauf kopierschutzfreier Musik. Das Image des Microsoft Mediaplayer, der zur Standardanwendung für Multimedia werden sollte, bricht wegen eingebauten Kontrollalgorithmen in sich zusammen, während Apple iTunes, die kostenlose Software des iPod Rekordnutzerzahlen vermeldet. Und jetzt scheint auch noch Windows Vista den Erwartungen nicht gerecht zu werden, obwohl tausende hochbezahlte Microsoft-Programmierer fünf Jahre gearbeitet haben. Microsoft geht es grade nicht sehr gut, das kann man so sagen. Gates hätte also allen Grund, Steve Jobs zu meiden. Und trotzdem haben sich beide getroffen, einem Interview unter Führung des Wall Street Journal zugestimmt. Ein historischer Moment. Hier sind die Mitschnitte:

superspannende Fundstücke der Geschichte zwischen Apple und Microsoft

Steve Jobs und Bill Gates - Best of (8 Minuten)

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Microsoft CEO Bill Gates und Apple CEO Steve Jobs im gemeinsamen Interview (AllThingsD Highlights)

Nicht weniger als ein historischer Moment: Microsoft-Chef Bill Gates spricht öffentlich mit Apple-Chef Steve Jobs. Damit man das richtig einschätzen kann: eine kurze Beziehungsgeschichte.
Seit Apple das erste fensterbasierte Betriebssystem erfunden hat, sind die beiden die ärgsten Konkurrenten (Gates hat es kopiert und ist mit Windows erfolgreich geworden). Beide haben ihre Firmen selbst gegründet und führen sie noch. Beide sind zu inbegriffen des Computerzeitalters geworden: Gates hat den PC für die Massen erschwinglich gemacht, hat Standards für ein Betriebssystem gesetzt, das zu einem beispiellosen Wachstum einer ganzen Industrie an Softwareproduzenten geführt hat, die die Schnittstellen von Windows nutzen und hat erreicht, dass zwischenzeitlich über 90 Prozent aller Rechner mit einem Microsoft-Betriebssystem ausgeliefert werden. Apple Macintosh, die Erfindung von Steve Jobs, stand dagegen für Qualität, lange lief das System nur mit Hardware aus demselben Haus, das Design war ebenso aus einem Guss wie die mitgelieferte Software. Apple ist bis heute das Werkzeug der Designer, der Kreativen, der Erlesenen.
In den letzten Monaten hat sich der Konflikt zwischen beiden zugespitzt: Steve Jobs/Apple hat 2006 den Google CEO Eric Schmidt in den Apple Verwaltungsrat aufgenommen und damit eine weithin sichtbare Kooperation der wichtigsten Konkurrenten von Microsoft beschlossen. Mit dem iPod hat Apple einen Riesencoup gelanded, an den Microsoft mit seinen MP3-Playern nie wird anknüpfen können. Der Boom hat den Verkauf der Heimcomputer von Apple angekurbelt und das Image gestärkt. Während Microsoft versucht hat, die Einbrüche der Musikindustrie mit einem aufwändig entwickelten Kopierschutzstandard für digitale Musik aufzuhalten, verdient Apple Millionen mit dem Onlineverkauf Kopierschutzfreier Musik. Das Image des Microsoft Mediaplayer, der zur Standardanwendung für Multimedia werden sollte, bricht wegen eingebauten Kontrollalgorithmen in sich zusammen, während Apple iTunes, die kostenlose Software des iPod Rekordnutzerzahlen vermeldet. Jetzt scheint auch noch Windows Vista zu floppen, an dem tausende hochbezahlte Microsoft-Programmierer fünf Jahre gearbeitet haben.
Kurz: Gates hat allen Grund, Steve Jobs zu meiden. Denn die Chancen stehen hoch, dass so eine Begegnung peinlich wird für Bill Gates, den einstigen König der Branche. Und jetzt haben sich beide getroffen. Einem Interview unter Führung des Wall Street Journal zugestimmt. Ein historischer Moment. Hier sind die Mitschnitte:

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wir.ag :: Werbedesigner werben für Weltverbesserer

pressebild_3_rgb2.jpgDas Projekt wir.ag ist so cool, dass die Macherinnen es einfach verdient haben, damit so erfolgreich zu sein: Die zwei Design-Studentinnen Evamaria Judkins und Nelly Brunkow haben für Kommunikations-Design-Diplom Werbestrategien für diejenigen entwickelt, die sich Werbung nie leisten können und auch selten die guten Designer auf ihrer Seite haben. 140 Weltverbesserer mit guten Ideen bekamen von den zwei Frauen eine eins-A-Kampagne gestrickt. Und der Medienrummel um das Projekt brachte den Kunden noch die nötige Pressepräsens. Sauber. Beeindruckend. Vorbildlich.

Webseite des Projekts: wir.ag

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das Phänomen Twitter :: Populär in der Blogsphäre und draussen unbekannt


Twitter.com

Twitter könnte eine Killerapplikation werden. Oder ist sie das schon? Unter Bloggern ist der Dienst seit Monaten der letzte Hype, in der breiten Öffentlichkeit will er nicht so richtig Fuß fassen. Aber von vorne.
Twitter ist ein Dienst, der die Ideen von SMS, E-Mail, Plazes und InstantMassenger kombiniert und dabei etwas schafft, was Journalisten mal nervig finden und mal beeindruckend. Twitter ist eine Plattform für Kurznachrichten. Die Nachrichten können aus dem Internet oder per SMS versandt werden und erscheinen auf einer personalisierten Seite, auf den Seiten der vernetzten Freunde, auf dem Handy der Freunde oder als Einzeilige Einbettung in der eigenen Webseite. Innerhalb der Bloggerszene, der Blogsphäre, ist Twitter so bekannt wie flickr oder studivz. Bei der next07, einer Konferenz zur Zukunft des Internet in Hamburg, flimmerte die gesamte Zeit hinter den Rednern eine für next07 personalisierte Twitter-Seite an der Wand und auch sonst wird Twitter kräftig diskutiert und dient als aussagekräftiges Material neuer Medienkunst.

Das Interessante bei der ganzen Sache scheint zu sein, dass Twitter in der Öffentlichkeit noch nicht wirklich angekommen ist. Im Mai 2007 gab es immerhin 44 Referenzen auf Twitter in deutschen Medien. Mal sehen, ob der Sprung in den Massenmarkt noch gelingt.

mehr:
Twitter-Clone für Deutschland: wamadu, frazr
sehr umfangreiche Sammlungen an Twitter-Erweiterungen bei Franticindustries und bei retweet.

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die Internetpioniere im O-Ton :: Videos von den Vorträgen der Next07

Bei der next07 waren dieses Jahr einige wirklich spannende Leute zum Thema web2.0 bzw. wie es richtig hieß alle Macht dem Konsumenten. Für diejenigen, die nicht dabei sein konnten, gibt es jetzt alle Vorträge als Video. Meine Favoriten:

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Norbert Bolz über die Veränderungen der Medien. Der einzige echte Wissenschaftler provoziert und vertritt keine neuen Thesen, aber das mit Stil. Einige Gedanken sind wirklich nachdenkenswert. Einer davon: Das Revolutionäre am Internetzeitalter ist, dass Massenmedien plötzlich einen echten Dialog erlauben. Früher war ein Massenmedium quasi durch das Fehlen eines Dialogs definiert.

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Bernd M. Michael (Geschäftsführer des Markenarchitekturbüros MBB): Noch pointierter, sehr unterhaltsam und mit interessanten Gedanken zum Internet sowie seiner bezaubernden Assistentin.

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Tobias Trosse (Geschäftsführer televised revolution): Einer der hübschesten Präsentationen, die ich je gesehen habe. Und eine Besonderheit auf der Konferenz, weil Trosse erst zum Schluss und auf Nachfrage sagt, was er selbst eigentlich macht: Das Fernsehen der Zukunft erfinden, das individuelle Programme möglich macht.

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Mattias Miksche (Geschäftsführer stardoll): Ein äußerst erfolgreiches Web-Startup erlaubt Kids die Stilfindung im Virtuellen Raum. Moderator Sascha Lobo fand das Konzept augenscheinlich doof und interviewte etwas tendenziös. Auch deswegen schön anzusehen.

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Christian Clawien (Mitgründer Mister Wong): Der Webpionier, wie man sich ihn vorstellt: Sehr jung, sehr normal, sehr erfolgreich.

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Nils Müller (Geschäftsführer Trendnote): Rasante Fahrt durch die neusten Technologien. Nach der halben Stunde brummt der Kopf, man weiß immer noch nicht besser, was nun wirklich die Zukunft ist, aber man wird sich in Zukunft hüten, zu sagen, das Internet wäre langweilig.

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Ibrahim Evsan (Geschäftsführer Sevenload):
Der Chef von einem der bekanntesten deutschen Newcommer erzählt, wie sie mit Videoportalen Geld verdienen lässt. Das hat uns doch alle schon interessiert.

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Schlusspanel (Creme der deutschen Blogger): Hier sieht man mal, wie die wichtigen Blogger so miteinander umgehen. Eigentlich, ja, eine große Familie.

Für alle, die das spannend fanden: Schaut unbedingt in den elektrischen Reporter. Dort werden die wirklich spannenden Internetleute von Mario Sixtus interviewt (der auch bei der next07 war, aber das nur am Rande). Viertelstündige unterhaltsame O-Ton-Collagen, sehr empfehlenswert. Und wer mal zurückschauen will, findet über die Seite der next06 auch noch die Vorträge von vor einem Jahr.

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interaktive Zeitleiste statt Kalender :: die Interface-Innovatoin Simile Timeline vom MIT

Es waren die Leute von der renommiertesten Technikschule der Welt, die endlich auf die Idee gekommen sind, den Kalender für die virtuelle Welt neu zu erfinden. Aus Dokumentationen kennt man das schon: Zeitleisten, die sich einfach in der horizontalen Scrollen lassen. Der Clou hier: Eine Hauptleiste unten zeigt die gesamte Zeitdauer an, ein Detailbereich oben führt zu einzelnen Ereignissen. Klickt man auf eines dieser Ereignisse, öffnet sich eine Sprechblase mit weiteren Infos, Links, Bildern. Für den Terminkalender ist das nichts, aber für jede andere Art der Zeitabbildung phänomenal gut gelöst, zum Beispiel für Biographien, Zeitalter oder historische Ereignisse.
Der Nachteil: Dieses Tool hat kein web2.0 Pionier, sondern eine Eliteuni programmiert. Deshalb muss jeder, der eine Zeitleiste anlegen will, selbst an den Code. Das ist einfacher, als es klingt. Und was dabei herauskommt, sieht wirklich gut aus.

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digg.com kurz vor dem Aus :: vom Segen und Fluch der Partizipation

http://static.howstuffworks.com/gif/digg-logo.jpgNutzer haben digg weltbekannt gemacht. Und die Nutzer sind es, durch die digg seit einigen Tagen kurz vor dem wirtschaftlichen Aus steht. Denn Digg ist ein Artikelbewertungsdienst für alles, was die Nutzer im Internet finden. Die Artikel werden verlinkt und dann Diggs für die besten Artikel vergeben. Das war eine Rieseninnovation in der durch Berufsjournalisten geprägten Medienwelt - und ein geniales Werkzeug, um zwischen der winzigen Auswahl einer Redaktion und den Unmengen von Artikeln in den weltweiten Blogs zu moderieren. Digg hat eine völlig neue Form der Nutzerbeteiligung erfunden und ist damit zum Symbol eines neuen Internet geworden. digg ist neben wikipedia oder myspace ein Grund dafür, dass die Leute plötzlich vom web2.0, dem Mitmacht-Internet oder den neuen Communities sprechen.
Digg!Und jetzt sind es die Nutzer, die digg den härtesten Kampf seiner Geschichte eingebrockt haben. Es geht um einen Artikel mit einem Code, der zum knacken von Kopierschutzmechanismen des HD DVD-Formats genutzt werden kann. Der stand plötzlich auf digg und wurde zielsicher nach oben gevotet. Der Artikel ist illegal - und nach amerikanischem Gesetz auch der Link darauf. Prompt standen die Leute von AACS, die für das Copyright von HD DVDs zuständig sind, auf der Matte und verlangten unter Klageandrohung die Entfernung des Artikelverweises. Der Digg-Gründer schreibt:

We had to decide whether to remove stories containing a single code based on a cease and desist declaration. We had to make a call, and in our desire to avoid a scenario where Digg would be interrupted or shut down, we decided to comply and remove the stories with the code.

Der Link wurde entfernt, die erste Zensur in der Geschichte von Digg, - und von den Nutzern prompt wieder eingespeist. Abermals entfernt - und wieder ersetzt. In wenigen Stunden entwickelte die Sache eine enorme Eigendynamik, wurde zur Demonstration für die Freiheit des digg-Nutzers gegenüber den Großkonzernen. Hunderte Links wurden eingspeist und durch tausende Stimmen nach oben gewählt. Forbes schreibt dazu:

Because Digg gives users the ability to rate news stories, pushing their favorites to the site’s most visible positions, thousands voted to bring links to the top of the site with titles like “Revolt at Digg?” and “Digg Punched me in the Face for Posting This.” By midnight, the site’s entire homepage was covered with links to the HD-DVD code or anti-Digg references.

Digg konnte da wenig entgegensetzen: Wie soll eine Seite, die nur eine Oberfläche für die Inhalte der Nutzer bereitstellt, mit Zensur umgehen? Wie lässt sich der Kontrollverlust auffangen, der entsteht, wenn man seinen Nutzern die Freiheit gibt, sich zu äußern? Und ist es überhaupt noch möglich, den Nutzern diese Option zu verweigern?
Um diese Fragen geht es eigentlich, wenn man über den Skandal bei digg.com schreibt. Denn das Risiko betrifft die gesamte erste Liga der neuen Internetfirmen. Die rasante Evolution scheint einen heiklen Nachteil zu haben: Es gibt kaum noch Erfahrungswerte. Studivz wurde acht Monate nach der Gründung für 84 Millionen Euro an Holzbrink verkauft, das entspricht etwa 60 Euro pro angemeldetem Nutzer. Kurz nach dem Deal wurden eklatante Mängel der Datensicherheit deutlich und nur das enorme Kapital und das studentische Flair der Unternehmung verhinderte Schlimmeres. Für Youtube zahlte Google irrwitzige 1,6 Milliarden Euro und hat seitdem mit Urheberrechtsklagen zu kämpfen, weil die Nutzer in Massen kopiergeschütztes Material hochladen. ausreichend großer Gewinn bei beiden Portalen: Bisher nicht in Sicht. Erinnert uns das an etwas? Eine amerikanische Zeitung titelte kürzlich in der Anlehnung an die geplatzte NewEconomy-Blase Bubble2.0. Aber das nur am Rande.
Denn jenseits der wirtschaftlichen Risiken geht es hier um eine Verhandlung gesellschaftlicher Grundsätze: Es geht um die Freiheit der Einzelnen im Kollektiv. Das Internet ist die letzten Jahre zum Symbol für kommunitäres Handeln geworden, steht gleichermaßen für eine Revolution des organisierten Laienwissens, wie für die Wiedergeburt der Gemeinschaft mitten aus den individualistisch-hedonistischen 90er-Jahren heraus.
Es geht um das alte Problem des Leviathan von Hobbes: Wieviel Freiheit muss jeder Einzelne abgeben, damit das Gesamtsystem die Sicherheit aller garantiert? Der Mensch sei der Wolf des Menschen, meinte Hobbes, wenn er nicht klar in seine Grenzen gewiesen werde. So funktioniert der klassische Nationalstaat. Spätestens die 68er rückten das Bild zurecht und postulierten die Rückkehr der Macht ins Volk, die Rückbesinnung zur Selbstbestimmung und die Fähigkeit des Menschen zum Guten. An dieser Frage hängt jede Diskussion, die sich mit dem strukturellen Rahmen von Gemeinschaft beschäftigt - ob es da jetzt um Grenzen der Nutzerfreiheit auf digg.com geht, um Einschränkungen der Pressefreiheit für die Bildzeitung oder um die rechtliche Verbindlichkeit von Bürgerentscheiden. Allem Hype zum Trotz: Das Kollektiv scheint nicht an sich reflektiert, überlegt oder moralisch zu sein. Sonst wäre die NZZ das, was die Bild heute ist, und arte würde sich mit 3Sat die Quoten teilen, statt bei Kommaprozenten rumzuschwimmen und kopierten amerikanischen Trashformaten die Quote zu überlassen. Eine müßige Debatte nach der kritischen Theorie und Luhmann. Das ist nicht neu.
Was aber neu ist, ist das Medium. Das Internet ist nur ein neues Transportmittel für Information. Allerdings eines, das sich durch seine Unkontrollierbarkeit auszeichnet: Start-Up und Marktführerschaft liegen, wenn es gut läuft, einige Monate auseinander. Nationale Grenzen sind - mit Ausnahme der chinesischen - völlig irrelevant. Es gibt, um auf Hobbes zurückzukommen, keinen Leviathan mehr, der das Kollektiv organisieren könnte. Die Technik ist geographisch viel weitreichender, als der rechtliche Rahmen es auffangen kann, entwickelt sich schneller als die Aufsichtsbehörden gucken können, ist so zugangsoffen, dass eine Idee noch nicht mal Kapital braucht, um groß rauszukommen und erreicht potenzial Abermillionen Rezipienten, ohne einen Pfennig für Werbung auszugeben. Wird eine Idee zur Institution, so wie Napster, dann wird sie fassbar und kann gemaßregelt werden. Die Institution, nicht aber die Idee: Heute wird mehr illegale Musik getauscht als jemals zuvor, nach dem Umsatzeinbruch der Musikindustrie geht es jetzt der Filmindustrie an den Kragen und ein Ende der nutzergemachten Revolution ist nicht abzusehen, weil jeder Nutzer der potenzielle Gründer einer neuen Tauschbörse ist. Jede Idee muss nur einmal bekannt geworden sein, um sich als unlöschbare digitale Vorlage in die Geschichte des Internet einzuritzen. Wenn digg stirbt, wird es ein neues digg geben.
Das ist das eigentlich Neue an dem Skandal um digg: Das Internet schafft einerseits Gemeinschaften, deren Nutzer sich nicht mehr kontrollieren lassen und die auch nicht gewillt sind, sich selbst einem Kodex anzupassen, den sie für falsch halten. Internetgemeinschaften sind riskant, weil nur die Art der implementierten Funktionen das Nutzerkollektiv begrenzen kann. Und zweitens liegt es im Wesen des Internet, dass Ideen weitergeführt werden, selbst wenn sie ökonomisch unsinnig, rechtlich illegal und anderswo gescheitert sind. Ein Unternehmer kann sich den neuen Ideen weder widersetzen, noch kann er sie steuern. Und darin liegt eine Wichtige Implikation des web2.0-Zeitalters. Der Gründer von digg kapitulierte vor einigen Tagen und schrieb in seinem Blog:

But now, after seeing hundreds of stories and reading thousands of comments, you’ve made it clear. You’d rather see Digg go down fighting than bow down to a bigger company. We hear you, and effective immediately we won’t delete stories or comments containing the code and will deal with whatever the consequences might be.
If we lose, then what the hell, at least we died trying.

Bei Digg schlagen die Flammen hoch, aber der Anlass hat sich längst verselbstständigt. Die Veröffentlichung des Codes ist - nocheinmal mehr durch den großen Wirbel um Digg - ins Mark des Internet eingebrannt: bootsektorblog berichtet von über einer halben Million Seiten, die den Code bereits veröffentlicht haben. Und seit kurzem gibt auch schon T-Shirts mit dem Code (interpretiert als Farben nach dem hexadezimalen Farbauswahlsystem). Man kann dem Internet keinen Druck machen. Das ist ärgerlich für viele und gleichzeitig vermutlich eine der echten Revolutionen, die das Netz vor allen anderen Medien auszeichnet.

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Semantic Web Teil 1 :: der Turing-Test, Eliza und die Folgen

Es begann mit Eliza (hier ein anderer Nachbau), einem Programm von Joseph Weizenbaum, das sich als Psychologin ausgab: Die Maschine antwortete so clever, dass etliche Klienten sich wirklich in ihren Probleme verstanden fühlten. Nach den bahnbrechenden Forschungsreihen mit Eliza rückte die künstliche Intelligenz als Forschungsfeld ins Zentrum der Informatik. Weizenbaum wurde die neue Gallionsfigur der künftig zum Trend hochstilisierten künstlichen Intelligenz, moderner: KI.

Gescheitert ist Eliza trotz allem am sogenannten Turing-Test. Alen Turing war ein Mathematiker, der eine bahnbrechende Idee hatte: Wenn man mit einer Maschine kommuniziert, die darauf programmiert ist, einen Menschen nachzuahmen, woran könnte man merken, dass es eine Maschine ist und kein Mensch? Der Fragenkatalog, den er daraufhin formulierte, heißt Turing-Test (ausführlicher Artikel hier, weitere Quellen hier). Vor diesem Test mussten bisher alle kapitulieren. Ein Preis der Cambridge University, nach einem weltbekannter Forscher Loebner Prize betitelt und mit 100.000 $ dotiert, gehört der Maschine, der als erste die Überwindung des Turing-Tests gelingt. Wie gesagt: Bisher gibt es nur lobende Erwähnungen. Dreimal gewonnen hat Alice die zahlreichen Kontrahenten heißen Claudio (der im Gespräch den Enneagrammtyp des Nutzers ermittelt), Buddhabot (the first spiritual machine) oder Ellaz (die angeblich so ziemlich alles kann). Die Erotikindustrie hat ihrerseits VirtualFem ins Rennen geschickt, eine zugegebenermaßen attraktive Roboterin, deren Verständigungsanspruch jedoch qua Funktion gar nicht erst in die höheren Gefilde der Grammatik vordringen muss. Das reicht Ihnen an virtueller Intelligenz? Ist alles nicht so richtig menschlich? Sie haben genug? Vergessen Sie´s. Bisher arbeiten diese Bots ja nur über Tastatureingaben, in Zukunft lernen sie reden: Die Computer fangen jetzt schon an zu sprechen, meine Anrufe entgegenzunehmen und in meinem Namen irgendwo anzurufen. Na schönen Dank, brave new world.

>> Das nächste Mal geht´s um Suchmaschinen, die wirklich verstehen, was sie wissen wollen. Angeblich.

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Amokläufe, Videostatements und Blogs :: die Schwelle zwischen Amoklauf und Medien

Der Amoklauf an der Virginia Tech ist zu genüge durch die Medien gewandert. Das soll hier nicht fortgeführt werden. Aber die Medienberichterstattung hat sich verändert und diese Veränderung hat einige Implikationen. Über die wird hier gesprochen.

Teil 1: Videobänder vom Mörder und die Erfolgsstory von NBC

Es gab schon jugendliche Mörder, deren Daten aus dem MySpace-Profil schließlich in die nationale Presse wanderten. Und es ist nicht das erste Mal in der Mediengeschichte, dass ein Amokläufer sich proaktiv selbst vermarktet. Allerdings war es noch nie so geplant: Der Mörder der Virginia Tech drehte Stellungnahmen auf Videobänder, schoss einige duzend Fotos von sich ohne Waffe, von sich mit Waffen, von seinem Geschossen und er setzte sich hin und nahm eine MP3-Datei mit seiner Stellungnahme auf. Das ganze packte er in ein Paket und gab es zwischen seinen beiden Amokläufen bei der Post ab, adressiert an NBC. Telepolis schreibt über die zeitgenössischen Amokläufer:

Man könnte sie genauso gut als Selbstmordattentäter beschreiben, die im Unterschied zu den islamistischen “Kollegen” nur einen Auftrag haben, nämlich sich selbst noch einmal in Szene zu setzen, um sich und die anderen Menschen mit dem Tod und der Angst zu konfrontieren. Schließlich machen sie oft genug auch zuvor “Märtyrervideos” in Form von Filmen, Webseiten oder anderen dokumentierten Äußerungen oder agieren wie die berühmt gewordenen Columbine-Täter auch vor Überwachungskameras. (Florian Rötzer am 20.9.2006 auf telepolis.de)

und zum früheren Amoklauf von Kimveer Gill wird ein Pädagogikprofessor zitiert:

If you want a hypothesis perhaps this young person was living a sort of simulated life, that he had lost sight of the boundaries between the fictional and the real. He was so immersed in a media culture where the films he consumed, the video games he played, the music he listened to and the goth culture he supposedly inhabited became for him the spectrum of his little identity world. If anything he was a living a simulated life. He’s stepped into the screen, acted out a fictional self and created a real tragedy. (Michael Hoechsmann, McGill University)

Journalisten stecken jetzt in der Zwickmühle: Sollte man des Medien des Virginia-Tech-Killers nun veröffentlichen und ihm damit die Öffentlichkeit geben, die zumindest eine Motivation seiner Morde war? Die Macher von NBC haben sich dafür entschieden. Natürlich waren das zeitgeschichtliche Dokumente. Aber vor allem wollte sie die Welt sehen und NBC hatte für ein paar Tage seinerseits die Weltöffentlichkeit für sich. Das Thema wurde dementsprechend richtig breitgetreten und die Videos nur nach und nach veröffentlicht - angeblich, weil sie über Tage gesichtet werden mussten, bevor sie freigegeben werden konnten. Die NBC hat nicht nur eine Themenseite, sondern auch eine “Slideshow” mit den Fotos des Mörders, Streaming-Videos seiner Stellungnahmen und ein bunt aufgemachtes Multimediarchiv mit Faksimiles der Fotodrucke eingerichtet. Wieweit das noch journalistische Pflicht ist, darüber mag spekuliert werden. Fest steht aber, dass diese Story der NBC eine Menge Aufmerksamkeit in die Kassen gespült hat, und Aufmerksamkeit ist in Medienkreisen bekanntlich Geld.

Teil 2: Der Blog des Schülers
Es gibt bei Gewalttaten auch noch die andere Seite. Journalisten interviewen im Fall von Amokläufen gern die Opfer oder die Zeugen und bringen sie damit an die Grenze der Belastbarkeit. Seit dem Krieg im Irak gibt es ein neues Phänomen: Blogs von Soldaten bzw. Zeugen der Amokläufe. Dass sich die Zeugen selbst zu Redakteuren machen, verändert etwas in der medialen Präsentation. Denn diese Zeugen haben oft nicht die Massenöffentlichkeit im Sinn, sondern wollen sich tatsächlich mitteilen. Auf diese Weise bringt die neue Technologie die ureigenste Journalistische Motivation in die Medienwelt zurück: Jenseits von zentimetergroßen Überschriften geht es hier um eine Annäherung an die Wahrheit und um ein sich-frei-schreiben von eigenen Erlebnissen. Der Schüler der Virginia Tech, der in seinem mittlerweile weltbekannten Blog die Schießerei an der Virginia Tech beschrieben hat, ist es schließlich, der den Massenmedien den Spiegel vorhält:
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