heikle Wahlwerbung im Netz :: ein Kommentar zum Online-Game der Schweizer SVP

In der Schweiz hat die Online-Wahlwerbung eine neue Dimension erreicht. Nein, das ist jetzt nicht positiv gemeint. Am Beispiel der Schweizer Partei SVP wird greifbar, wie sich Populismus, Menschenrechtsverletzungen und Popkultur in eine Form gießen lassen, deren Veröffentlichung etablierte Medien aller Wahrscheinlichkeit nach abgelehnt hätten. Das Internet ist offen dafür. Und die Kritik in den Medien hält sich in Grenzen.

In Deutschland hielte man das, was Christoph Blocher und seine SVP zu verantworten haben, schlicht für nicht möglich: Das Ziel des Zottel Game besteht darin, sich an die Grenze zu stellen und schwarze Schafe aus dem Land zu treten. Diese stehen, das steht da ganz offen, für kriminelle Ausländer. Manchmal kommen ganze Busse voller schwarzer Schafe an, die von “Linken oder Grünen” gefahren werden. Bei einem anderen Spiel muss man als Ziege Zottel Pässe fressen, die von Linken und Grünen “wahllos” verteilt werden, bevor sie die Hände erreichen, die sich in den Bildschirm strecken. Wenn ein Richter kommt, muss er weggeschlagen werden, sonst nimmt er alle Ausländer auf. Bei anderen Spielen überrennt man einen Grünen, der überall Tempo-30-Schilder aufstellt oder schießt mit einer Armbrust EU-Abgesandte ab, die Steuern kassieren wollen. Konkret werden diese Metaphern zum Beispiel in der Ausschaffungsinitiative der SVP, einer “Volksinitiative für die Ausschaffung krimineller Ausländer”.

Für die Schweizer Partei könnte der allzu freimütige Auftritt Folgen haben: Die Schweizer Menschenrechtsliga hat Klage eingerecht, eine konkurrierende Partei hatte das schon vorher gemacht. Und das nicht nur wegen Fragen der Menschenwürde: Auch der Aufruf zur Sachbeschädigung ist strafbar. Außerdem wird in Foren kolportiert, die SVP habe die Toneffekte des Spiels aus einem bekannten Computerspiel raubkopiert und bereits mehrfach durch das Fälschen von Statistiken aufgefallen sei (eine Zusammenfassung einschlägiger Artikel findet sich etwa im linken Ignoranz.ch). Dass auch die Linken das Schlammwerfen ganz gut beherrschen, zeigt das vor fünf Jahren programmierte Spiel vom Anti ASP-Blog: Ein Spiel, bei dem es darum geht, die SVP-Politiker mit harter Munition aus einer Toilette zu schießen. Weniger böse kommt der Bock Buster daher: Es benügt sich damit, den SVP Bock “in die Wüste zu schicken”.

Dass diese Spiele nie so bekannt werden können, wie das Original, ist dem Nachrichtenwert eines ausländerfeindlichen Onlinespiels zuzuschreiben, zumal im deutschsprachigen Raum, und diese Alleinorientierung der Popularität an Nachrichtenwertfaktoren ist nur einer der Aspekte des Internet, die andiesem Beispiel deutlich werden. Darüber hinaus gilt: Internetseiten sind erstmal neutral. Jeder kann sich - mit dem Risiko der Aufdeckung - als SVP ausgeben. Und tatsächlich: Die Linke hätte nichts Programmieren können, was die SVP deutlicher hätte diskreditieren können. Ein Eigentor ist das Spiel trotzdem nur zum Teil, denn es kommt an und wird populär. Es bringt das moralisch aufgeladene Ausländerthema auf eine Jugendwohnzimmer-Atmosphäre und das kann auch die Hemmschwelle senken. In etablierten Medien wäre so etwas nicht denkbar gewesen und falls es doch jemand veröffentlicht hätte: Es würde nie diese Popularität erreicht haben. Die rechtliche Dehnbarkeit des Internet ist ein Problem. Und damit zeigt dieses Spiel drittens die Nachteile von einem Aspekt, der wie kein anderer das Faszinosum des Internet ausmacht: Dass nämlich Einzelne, ohne sich den Auswahlmechanismen etablierter Institutionen auszuliefern, Ungefiltertes publizieren können. Diese Freiheit des Internet beschneiden zu wollen, wäre eine schlechte Reaktion auf einen solchen Auftritt, denn die Offenheit des Internet ist zumindest im Prinzip nicht einschränkbar. Aber das Zottel-Game ist eine Erinnerung daran, dass diese Offenheit des Systems eine Bewusstheit der Nutzer braucht, deren Etablierung institutionalisiert werden könnte. Und daran fehlt es noch. Dass die ganze Chose gar nicht so weit weg ist, zeigt eine Finte der NPD-Hessen, die auf der Titelseite mit einem weißen Schaf wirbt, das ein schwarzes Schaf wegtritt. Exakt dieselben Figuren wie bei der SVP. Ob die SVP jetzt auf Urheberrechtsverletzung klagt? Vermutlich nicht.

// ein interessanter Artikel zur Wahlwerbung der SVP bei Julia Seeliger vom Zeitraffer, aus dem einige der hier genannten Quellen stammen

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Smava :: Kreditvermittlung á la web2.0: an den Banken vorbei




Die Idee ist mal wieder wirklich einen zweiten Blick wert: Kredite, die an den Banken vorbei “von Mensch zu Mensch” vergeben werde
Die Zinsen kann jeder selbst bestimmen, die Kosten teilen sich die beiden Parteien - und die vermittelnde Internetseite smava.de bekommt ein Prozent Provision. Kredite können nur an Personen vergeben werden, die von smava.de als bonitätswürdig eingestuft worden sind. Bei Zahlungsverzug “kümmert sich smava um den Mahnprozess” und verkauft ausgefallene Kredite eventuell an ein Inkasso-Unternehmen. Bei einem Ausfall wird die Ausfallsumme auf den Anliegerpool verteilt. Ein Restrisiko bleibt also - dafür winken Zinsen zwischen 6 und 15 Prozent. In den USA und Großbritannien funktionieren diese Modelle, schreibt die FAZ. Wirklich spannend, was da auf uns zukommt.

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Prometeus - eine animierte Utopie über die Zukunft der Technik

Schön anzusehen: Mal wieder eine clevere Utopie über die Zukunft der Technik mit Google und Konsorten. Viel Spaß.

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Videonachrichten - die neue Generation E-Mail ist Marktreif

Eyejot Logo: 84px x 120px
In den USA ist der Dienst eyejot bereits ziemlich erfolgreich, in Deutschland kennt ihn noch kaum jemand: Videonachrichten mit einer Webcam aufnehmen, direkt hochladen, einen Link aufs Video einem Freund schicken, das ist die Idee. Was daraus entsteht ist ein asynchrones Dialogsystem, das der E-Mail ähnlich ist, aber eben Videos statt Texte verschickt. Alles sehr clean gemacht, sehr professionell und bisher völlig umsonst. Ein guter Wurf.

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die ungesehenen Perlen des Internet


Das PC Magazine hat kürzlich die 100 besten unbekannten Internetseiten gekürt. Die Liste ist durchaus einen Blick wert: Sehr spannende Sachen sind dabei, die in der nächsten Zeit zu Hits werden könnten. Schaut mal rein. Wem das zu alternativ ist, der kann sich auch die großen Anschauen - die Liste der 100 modernen Klassiker.

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wink.com und Zoominfo :: Personenscanner im Internet

Man kann gar nicht sagen, ob es nicht vielleicht gut ist, dass diese Seiten bisher erst die Wenigsten kennen: ZoomInfo ist schon seit einigen Jahren sehr fit darin, Menschen vollautomatisch im Netz zu finden und der entsprechenden Position, Firma und etlichen Netzwerken zuzuordnen. Wink.com macht das Ganze für Normalos und durchsucht sämtliche wichtigen Social Networks für den non-business-man, ergänzt das Ganze um ausgewählte Webseiten und ist dabei erstaunlich präzise und gut informiert. Der gläserne Mensch ist schon da.

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Familienstammbaum 2.0 :: die Familie kommt ins Netz

Genealogie wird es keiner mehr nennen: Opa2.0 nennt es der Spiegel, das passt besser. Der Familienstammbaum findet den Weg ins web2.0. Das bringt den Trendwandel hin zum Traditionsbewusstsein unter Jugendlichen konsequent ins Netz und könnte ein echter Hit werden. An Investoren mangelt es laut dem Spiegel (s.oben) nicht. Der erste Eindruck ist eher ernüchternd, aber ich könnte mir vorstellen, dass hier ein neuer Markt entsteht. Die ersten Portale zum Ausprobieren:


verwandt.de

Genibeta

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wie fühlen wir uns :: Seismographen für das weltweite Gefühl

Ja, wie fühlen wir uns eigentlich, wir weltweite virtuelle Gemeinschaft? Etliche Dienste versuchen sich an einem Seismographen für das globale Well-being und sind interessant bis skurril - die einen eine nette Nebenbeschäftigung, die anderen vielversprechend für die Marktforschung.

MoodViews zum Beispiel untersucht LiveJournal Blogs nach Emotionsbekundungen und wertet die Zahl der Fundstellen auf Basis gesellschaftlicher Ereignisse wie dem Valentinstag oder dem Hurricane Katrina aus. Der Moodteller analysiert den Kontext tausender Seiten auf emotionale Ausdrücke und gibt eine Gefühlsprognose ab. Die Blogger können ihrerseits ihre Gefühle an Moodteller schicken und damit eine explizite Übersicht bilden. Die Unterschiede der Graphen von Prognose und tatsächlich genannten Gefühlen ist außerordentlich gering (eine Korrelation von .5 oder mehr ist durchaus üblich). Auch sehr spannend: MoodSignals erkennt ungewöhnliche Ausschläge von bestimmten Gefühlen, nennt während des Höhepunkts überdurchschnittlich oft verwendete Stichwörter und versucht sie vollautomatisch mit Nachrichten aus der internationalen Presse in Zusammenhang zu bringen. MoodSpotter geht einen anderen Weg und zeigt die Emotionen an, die mit der Nennung bestimmter Stichwörter assoziiert ist.

BurstLabs kümmert sich um Musik: Eine herausragende Schnittstelle (allein deswegen lohnt sich der Besuch schon) hilft, Musik zur Emotion zu finden und direkt Probezuhören. Die Emotionskategorien sind clever verbindbar (search drama + dark + fearful) und das ganze ist ein Geschenk für Leute, die Hintergrundmusik auswählen müssen. Nur die Zahl der indizierten Songs ist noch nicht besonders groß - naja. Wir hoffen, dass Apple das gut findet und irgendwann in iTunes integriert.

Stateofbrain ist ein Nachrichtendienst mit emotionaler Bewertung: Man kann sehen, welche Emotion Leute den aktuellen Nachrichten zugeordnet haben. Funktioniert ein bißchen wie digg, ist abgrundtief hässlich layouted und hat wirklich eine gute Grundidee.

Moodstats geht da eine Ebene tiefer: Das Programm wird runtergeladen und nimmt das eigene Befinden in einer Reihe Kategorien auf. Die Veränderung von Stress, versandten Mails oder der wahrgenommenen Kreativität wird als Verlauf angezeigt und kann mit anderen Nutzern (insgesamt sind es etwa 1500) verglichen werden. Etwas für die Analytiker und den Softies.

via [readwriteweb]

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Eutube :: Europas Antwort auf YouTube

Europa wächst zusammen, wird erwachsen, will bei den neuen Medien mitmischen. Und sowas kommt raus, wenn die EU sich an einem eigenen Videoportal versucht, das bei YouTube gehostet wird, aber vom ganzen Design her von der EU produziert worden ist. Für Aufsehen gesorgt hat dieser
Film der EU wegen seiner erotischen Konnotation: Ein Werbefilm für Europäisches Kino. Mein Gott, sind wir offen.

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Youtube als politisches Instrument :: US-Politiker werben mit Youtube-Videos

Steve alias citizentube hat ein Video zusammengeschnitten, das erstmal etwas anstrengend daherkommt, aber dann eine recht spannende Zusammenstellung von Politiker-Youtube-Versuchen enthält. Die Frage, welchen Einfluss Youtube hat, wird nicht beantwortet. Aber dass sich ein Präsidentschaftskandidat auf ein Interview im Studentenschlafzimmer einlässt, um beim Youtube-Publikum gut anzukommen, mag ein Hinweis auf die Bedeutung sein, die dem Medien von Politikerseite zugesprochen wird. Der wunderbare, ungekürzte Anfang dieses Interviews spricht für sich:

Interviewer: First I just want to say, that is the first interview presidential candidate, the first interview ever to be conducted with a presidents candidate, from a colleges dormroom.
Politiker: Starting off, the intent was not to be a congressman. The intent was, to try to bring attention to the american people, to the serious economic problems we have and to try to get people interested in monetary policy.

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