das Phänomen Twitter :: Populär in der Blogsphäre und draussen unbekannt


Twitter.com

Twitter könnte eine Killerapplikation werden. Oder ist sie das schon? Unter Bloggern ist der Dienst seit Monaten der letzte Hype, in der breiten Öffentlichkeit will er nicht so richtig Fuß fassen. Aber von vorne.
Twitter ist ein Dienst, der die Ideen von SMS, E-Mail, Plazes und InstantMassenger kombiniert und dabei etwas schafft, was Journalisten mal nervig finden und mal beeindruckend. Twitter ist eine Plattform für Kurznachrichten. Die Nachrichten können aus dem Internet oder per SMS versandt werden und erscheinen auf einer personalisierten Seite, auf den Seiten der vernetzten Freunde, auf dem Handy der Freunde oder als Einzeilige Einbettung in der eigenen Webseite. Innerhalb der Bloggerszene, der Blogsphäre, ist Twitter so bekannt wie flickr oder studivz. Bei der next07, einer Konferenz zur Zukunft des Internet in Hamburg, flimmerte die gesamte Zeit hinter den Rednern eine für next07 personalisierte Twitter-Seite an der Wand und auch sonst wird Twitter kräftig diskutiert und dient als aussagekräftiges Material neuer Medienkunst.

Das Interessante bei der ganzen Sache scheint zu sein, dass Twitter in der Öffentlichkeit noch nicht wirklich angekommen ist. Im Mai 2007 gab es immerhin 44 Referenzen auf Twitter in deutschen Medien. Mal sehen, ob der Sprung in den Massenmarkt noch gelingt.

mehr:
Twitter-Clone für Deutschland: wamadu, frazr
sehr umfangreiche Sammlungen an Twitter-Erweiterungen bei Franticindustries und bei retweet.

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globale dezentrale Identifikation :: das interessante Konzept von openID

Der Dienst ist so naheliegend wie bahnbrechend: Man meldet sich einmal bei openID an und wird fortan bei allen Seiten erkannt, die eine openID-Schnittstelle haben. Das bedeutet: Keine Registrierung, kein Herausgeben der Mailadresse, keine Bestätigungsmail abwarten und Verifizierungscode eintippen. openID lässt diesen Prozess einmal durchlaufen und ist dann Platzhalter für all die Daten, die man normalerweise bei einer Registrierung eingeben müsste. OpenID ist allerdings keine Firma, sondern ein Standard. Ein Registrierungsdienst für OpenID kann auf jedem Webserver betrieben werden. Die Identifikation, die man dann weitergibt, besteht aus einer URL aus dem jeweiligen OpenID-Server und dem eigenen Kürzel.
Ein Beispiel: http://meinguter.name ist openID-Server. Eine entsprechende Identifkation könnte so aussehen: http://tim-katz.meinguter.name

Die Leute, die das Projekt entwickelt haben, lesen sich wie ein Who is Who der Branche: Die Idee kommt von Brad Fitzpatrick, dem Gründer des Blogger-Vorläufers LiveJournal. Jetzt arbeitet auch David Recordon bei VeriSign an dem Projekt, der Firma, die die wichtigsten Internetdomains .com und .net verwaltet.
Insofern ist das einzige, was wirklich überrascht, die Tatsache, dass das System kaum verbreitet ist. Lächerliche 234 Webseiten verbucht das openiddirectory, myopenid directory hat noch weniger.

OpenID-Provider:

  • MyOpenID
  • VeriSign Personal Identity Provider
  • idproxy.net/ - sich mit dem Yahoo!-Account bei idproxy.net einloggen und dort ein oder mehrere OpenID-Accounts erstellen
  • MeinGuter.Name - Deutscher OpenID Provider nach deutschem Datenschutzgesetz, SSL-gesicherte Verbindungen
  • certifi.ca - OpenID Provider, der anhand eines Browser Zertifkates die Authentifizierung vornimmt
  • my.xlogon.net - deutscher OpenID Provider, multiple Identitäten, multiple Personas, nur SSL-gesichert, Anti-Phishing Unterstützung

weiterführende Links:
offzielle Seite: openid.net
ein Screencast zum Thema
detaillierte Hintergrundinformationen bei openidenabled.com

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die Internetpioniere im O-Ton :: Videos von den Vorträgen der Next07

Bei der next07 waren dieses Jahr einige wirklich spannende Leute zum Thema web2.0 bzw. wie es richtig hieß alle Macht dem Konsumenten. Für diejenigen, die nicht dabei sein konnten, gibt es jetzt alle Vorträge als Video. Meine Favoriten:

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Norbert Bolz über die Veränderungen der Medien. Der einzige echte Wissenschaftler provoziert und vertritt keine neuen Thesen, aber das mit Stil. Einige Gedanken sind wirklich nachdenkenswert. Einer davon: Das Revolutionäre am Internetzeitalter ist, dass Massenmedien plötzlich einen echten Dialog erlauben. Früher war ein Massenmedium quasi durch das Fehlen eines Dialogs definiert.

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Bernd M. Michael (Geschäftsführer des Markenarchitekturbüros MBB): Noch pointierter, sehr unterhaltsam und mit interessanten Gedanken zum Internet sowie seiner bezaubernden Assistentin.

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Tobias Trosse (Geschäftsführer televised revolution): Einer der hübschesten Präsentationen, die ich je gesehen habe. Und eine Besonderheit auf der Konferenz, weil Trosse erst zum Schluss und auf Nachfrage sagt, was er selbst eigentlich macht: Das Fernsehen der Zukunft erfinden, das individuelle Programme möglich macht.

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Mattias Miksche (Geschäftsführer stardoll): Ein äußerst erfolgreiches Web-Startup erlaubt Kids die Stilfindung im Virtuellen Raum. Moderator Sascha Lobo fand das Konzept augenscheinlich doof und interviewte etwas tendenziös. Auch deswegen schön anzusehen.

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Christian Clawien (Mitgründer Mister Wong): Der Webpionier, wie man sich ihn vorstellt: Sehr jung, sehr normal, sehr erfolgreich.

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Nils Müller (Geschäftsführer Trendnote): Rasante Fahrt durch die neusten Technologien. Nach der halben Stunde brummt der Kopf, man weiß immer noch nicht besser, was nun wirklich die Zukunft ist, aber man wird sich in Zukunft hüten, zu sagen, das Internet wäre langweilig.

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Ibrahim Evsan (Geschäftsführer Sevenload):
Der Chef von einem der bekanntesten deutschen Newcommer erzählt, wie sie mit Videoportalen Geld verdienen lässt. Das hat uns doch alle schon interessiert.

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Schlusspanel (Creme der deutschen Blogger): Hier sieht man mal, wie die wichtigen Blogger so miteinander umgehen. Eigentlich, ja, eine große Familie.

Für alle, die das spannend fanden: Schaut unbedingt in den elektrischen Reporter. Dort werden die wirklich spannenden Internetleute von Mario Sixtus interviewt (der auch bei der next07 war, aber das nur am Rande). Viertelstündige unterhaltsame O-Ton-Collagen, sehr empfehlenswert. Und wer mal zurückschauen will, findet über die Seite der next06 auch noch die Vorträge von vor einem Jahr.

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das web3.0 wird ernsthaft :: professionelle semantische Suchmaschinen

google.jpgGut, Leute, das ist jetzt mal wirklich eine Revolution: Hakia ist eine Suchmaschine, die Euch versteht.
Aber erstmal einen Schritt zurück, damit dass auch alle zu würdigen wissen. Es geht darum, das Suchmaschinen die Bedeutung von Sätzen nachvollziehen. Sie sollen Fragen, ob man Helmut Kohl oder Kohleintopf sucht, den Jaguar oder den Sportwagen, mehr noch: Sie sollen die Inhalte auf Webseiten erkennen und diese mit der Frage in Beziehung setzen. Sie sollen wissen, welche Webseiten die kritische Theorie besprochen haben und zu welchem Schluss die Autoren kamen, damit eine Anfrage nach Kritikpunkten an der kritischen Theorie die richtigen Quellen findet. Zugegeben: Das ist Zukunftsmusik. Aber wer nach der Einwohnerzahl Hamburgs fragt, sollte Antwort bekommen.
Für die Suchmaschinenwelt ist das die große Herausforderung und definitiv die Zukunft. Das sagt die wunderbar utopische Nachrichtensendung epic2015, die Wissenschaft, die offizielle Stelle für Internetstandards W3C und der Erfinder des Internet himself Tim Berners Lee (hier sagt er es auch). Microsoft ist wieder mal zu spät auf den Zug aufgesprungen und hat bei den Marketingprofis von evb eine mehr erotische als semantische Suchmaschine namens Ms. Dewey in Auftrag gegeben, die zwar in Kürze weltbekannt, aber nie wirklich ernstgenommen wurde (suchen Sie mal art, travel oder country). Für Schauspielerin Janina Gavankar mag sich einiges geändert haben, für die Suchenden nichts.

Einige Technikfreaks dagegen sind seit einiger Zeit dabei, semantische Suche Realität werden zu lassen. Maschinen wie AskVox oder Answerbus sind noch etwas hölzern, aber wer Faktensuchmaschinen wie Factbites oder SurfWax benutzte, ahnte schon wo es hin ging. Lexxe und Brainboost gingen da noch einen guten Schritt weiter und hakia ist schließlich ein echter Hammer. Weitere Maschinen wie Powerset und Subjex sind seit einiger Zeit angekündigt und versprechen das Blaue vom Himmel. Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

// mehr über das Thema semantisches Web

.. und ein Audiodokument zum Semantic Web von Legende Tim Berners Lee (Erfinder des World-Wide-Web, Direktor des W3C, Senior Professor am MIT, usw.)

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digg.com kurz vor dem Aus :: vom Segen und Fluch der Partizipation

http://static.howstuffworks.com/gif/digg-logo.jpgNutzer haben digg weltbekannt gemacht. Und die Nutzer sind es, durch die digg seit einigen Tagen kurz vor dem wirtschaftlichen Aus steht. Denn Digg ist ein Artikelbewertungsdienst für alles, was die Nutzer im Internet finden. Die Artikel werden verlinkt und dann Diggs für die besten Artikel vergeben. Das war eine Rieseninnovation in der durch Berufsjournalisten geprägten Medienwelt - und ein geniales Werkzeug, um zwischen der winzigen Auswahl einer Redaktion und den Unmengen von Artikeln in den weltweiten Blogs zu moderieren. Digg hat eine völlig neue Form der Nutzerbeteiligung erfunden und ist damit zum Symbol eines neuen Internet geworden. digg ist neben wikipedia oder myspace ein Grund dafür, dass die Leute plötzlich vom web2.0, dem Mitmacht-Internet oder den neuen Communities sprechen.
Digg!Und jetzt sind es die Nutzer, die digg den härtesten Kampf seiner Geschichte eingebrockt haben. Es geht um einen Artikel mit einem Code, der zum knacken von Kopierschutzmechanismen des HD DVD-Formats genutzt werden kann. Der stand plötzlich auf digg und wurde zielsicher nach oben gevotet. Der Artikel ist illegal - und nach amerikanischem Gesetz auch der Link darauf. Prompt standen die Leute von AACS, die für das Copyright von HD DVDs zuständig sind, auf der Matte und verlangten unter Klageandrohung die Entfernung des Artikelverweises. Der Digg-Gründer schreibt:

We had to decide whether to remove stories containing a single code based on a cease and desist declaration. We had to make a call, and in our desire to avoid a scenario where Digg would be interrupted or shut down, we decided to comply and remove the stories with the code.

Der Link wurde entfernt, die erste Zensur in der Geschichte von Digg, - und von den Nutzern prompt wieder eingespeist. Abermals entfernt - und wieder ersetzt. In wenigen Stunden entwickelte die Sache eine enorme Eigendynamik, wurde zur Demonstration für die Freiheit des digg-Nutzers gegenüber den Großkonzernen. Hunderte Links wurden eingspeist und durch tausende Stimmen nach oben gewählt. Forbes schreibt dazu:

Because Digg gives users the ability to rate news stories, pushing their favorites to the site’s most visible positions, thousands voted to bring links to the top of the site with titles like “Revolt at Digg?” and “Digg Punched me in the Face for Posting This.” By midnight, the site’s entire homepage was covered with links to the HD-DVD code or anti-Digg references.

Digg konnte da wenig entgegensetzen: Wie soll eine Seite, die nur eine Oberfläche für die Inhalte der Nutzer bereitstellt, mit Zensur umgehen? Wie lässt sich der Kontrollverlust auffangen, der entsteht, wenn man seinen Nutzern die Freiheit gibt, sich zu äußern? Und ist es überhaupt noch möglich, den Nutzern diese Option zu verweigern?
Um diese Fragen geht es eigentlich, wenn man über den Skandal bei digg.com schreibt. Denn das Risiko betrifft die gesamte erste Liga der neuen Internetfirmen. Die rasante Evolution scheint einen heiklen Nachteil zu haben: Es gibt kaum noch Erfahrungswerte. Studivz wurde acht Monate nach der Gründung für 84 Millionen Euro an Holzbrink verkauft, das entspricht etwa 60 Euro pro angemeldetem Nutzer. Kurz nach dem Deal wurden eklatante Mängel der Datensicherheit deutlich und nur das enorme Kapital und das studentische Flair der Unternehmung verhinderte Schlimmeres. Für Youtube zahlte Google irrwitzige 1,6 Milliarden Euro und hat seitdem mit Urheberrechtsklagen zu kämpfen, weil die Nutzer in Massen kopiergeschütztes Material hochladen. ausreichend großer Gewinn bei beiden Portalen: Bisher nicht in Sicht. Erinnert uns das an etwas? Eine amerikanische Zeitung titelte kürzlich in der Anlehnung an die geplatzte NewEconomy-Blase Bubble2.0. Aber das nur am Rande.
Denn jenseits der wirtschaftlichen Risiken geht es hier um eine Verhandlung gesellschaftlicher Grundsätze: Es geht um die Freiheit der Einzelnen im Kollektiv. Das Internet ist die letzten Jahre zum Symbol für kommunitäres Handeln geworden, steht gleichermaßen für eine Revolution des organisierten Laienwissens, wie für die Wiedergeburt der Gemeinschaft mitten aus den individualistisch-hedonistischen 90er-Jahren heraus.
Es geht um das alte Problem des Leviathan von Hobbes: Wieviel Freiheit muss jeder Einzelne abgeben, damit das Gesamtsystem die Sicherheit aller garantiert? Der Mensch sei der Wolf des Menschen, meinte Hobbes, wenn er nicht klar in seine Grenzen gewiesen werde. So funktioniert der klassische Nationalstaat. Spätestens die 68er rückten das Bild zurecht und postulierten die Rückkehr der Macht ins Volk, die Rückbesinnung zur Selbstbestimmung und die Fähigkeit des Menschen zum Guten. An dieser Frage hängt jede Diskussion, die sich mit dem strukturellen Rahmen von Gemeinschaft beschäftigt - ob es da jetzt um Grenzen der Nutzerfreiheit auf digg.com geht, um Einschränkungen der Pressefreiheit für die Bildzeitung oder um die rechtliche Verbindlichkeit von Bürgerentscheiden. Allem Hype zum Trotz: Das Kollektiv scheint nicht an sich reflektiert, überlegt oder moralisch zu sein. Sonst wäre die NZZ das, was die Bild heute ist, und arte würde sich mit 3Sat die Quoten teilen, statt bei Kommaprozenten rumzuschwimmen und kopierten amerikanischen Trashformaten die Quote zu überlassen. Eine müßige Debatte nach der kritischen Theorie und Luhmann. Das ist nicht neu.
Was aber neu ist, ist das Medium. Das Internet ist nur ein neues Transportmittel für Information. Allerdings eines, das sich durch seine Unkontrollierbarkeit auszeichnet: Start-Up und Marktführerschaft liegen, wenn es gut läuft, einige Monate auseinander. Nationale Grenzen sind - mit Ausnahme der chinesischen - völlig irrelevant. Es gibt, um auf Hobbes zurückzukommen, keinen Leviathan mehr, der das Kollektiv organisieren könnte. Die Technik ist geographisch viel weitreichender, als der rechtliche Rahmen es auffangen kann, entwickelt sich schneller als die Aufsichtsbehörden gucken können, ist so zugangsoffen, dass eine Idee noch nicht mal Kapital braucht, um groß rauszukommen und erreicht potenzial Abermillionen Rezipienten, ohne einen Pfennig für Werbung auszugeben. Wird eine Idee zur Institution, so wie Napster, dann wird sie fassbar und kann gemaßregelt werden. Die Institution, nicht aber die Idee: Heute wird mehr illegale Musik getauscht als jemals zuvor, nach dem Umsatzeinbruch der Musikindustrie geht es jetzt der Filmindustrie an den Kragen und ein Ende der nutzergemachten Revolution ist nicht abzusehen, weil jeder Nutzer der potenzielle Gründer einer neuen Tauschbörse ist. Jede Idee muss nur einmal bekannt geworden sein, um sich als unlöschbare digitale Vorlage in die Geschichte des Internet einzuritzen. Wenn digg stirbt, wird es ein neues digg geben.
Das ist das eigentlich Neue an dem Skandal um digg: Das Internet schafft einerseits Gemeinschaften, deren Nutzer sich nicht mehr kontrollieren lassen und die auch nicht gewillt sind, sich selbst einem Kodex anzupassen, den sie für falsch halten. Internetgemeinschaften sind riskant, weil nur die Art der implementierten Funktionen das Nutzerkollektiv begrenzen kann. Und zweitens liegt es im Wesen des Internet, dass Ideen weitergeführt werden, selbst wenn sie ökonomisch unsinnig, rechtlich illegal und anderswo gescheitert sind. Ein Unternehmer kann sich den neuen Ideen weder widersetzen, noch kann er sie steuern. Und darin liegt eine Wichtige Implikation des web2.0-Zeitalters. Der Gründer von digg kapitulierte vor einigen Tagen und schrieb in seinem Blog:

But now, after seeing hundreds of stories and reading thousands of comments, you’ve made it clear. You’d rather see Digg go down fighting than bow down to a bigger company. We hear you, and effective immediately we won’t delete stories or comments containing the code and will deal with whatever the consequences might be.
If we lose, then what the hell, at least we died trying.

Bei Digg schlagen die Flammen hoch, aber der Anlass hat sich längst verselbstständigt. Die Veröffentlichung des Codes ist - nocheinmal mehr durch den großen Wirbel um Digg - ins Mark des Internet eingebrannt: bootsektorblog berichtet von über einer halben Million Seiten, die den Code bereits veröffentlicht haben. Und seit kurzem gibt auch schon T-Shirts mit dem Code (interpretiert als Farben nach dem hexadezimalen Farbauswahlsystem). Man kann dem Internet keinen Druck machen. Das ist ärgerlich für viele und gleichzeitig vermutlich eine der echten Revolutionen, die das Netz vor allen anderen Medien auszeichnet.

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die Ortsrevolution plazes.com :: und auf einmal ist alles so nah

nadja peek flickr creative commonsEs war Medientheorieguru Marshall Mc Luhan, der 1962 vom globalen Dorf sprach und damit meinte, dass einem der entfernteste Ort der Welt in der technoiden Welt so nah erscheint. Das erscheint aus heutiger Sicht schon wieder altbacken, denn es geht darum, den konkreten Ort in diese virtuelle Entfernungslosigkeit zurückzudefnieren. Manchmal ist es eben doch wichtig, sich nah zu sein, ich meine jetzt rein geographisch, und dieser Gedanke hat zu einer richtigen Flut von Ideen zur Rückimplementierung des konkreten Orts im Internet geführt. Die bekanntesten Marktforscher des Internet Nielsen//NetRatings haben jüngst publiziert, dass 70 Prozent aller Nutzer nach lokalen Informationen suchen.
So, und jetzt hat Stefan Kellner, einer der Macher von plazes.com, den Ort neu definiert: Das Internet verhilft endlich jedem dazu, wirklich zu verstehen, was ihn im Kilometerradius umgibt. Und das ist fast schon ein Kunstprojekt, wenn man bedenkt, dass die Daten einmal mindestens nach Zürich und zurück wandern, um mir zu sagen, wer mein Nachbar ist.

Und weil einem wichtig ist, den Menschen nah zu sein, auch persönlich meine ich jetzt, kommt man auch auf die Idee, den Macher zu googeln. Einfach, um zu sehen, was er so für ein Typ ist, dieser Stefan Kellner. Man kommt recht schnell auf sein Profil in places, in Xing, und natürlich kann man über Places auch nachschauen, wo er sich grade rumtreibt. Er meint es ernst mit der Transparenz. Und dann stößt man auf seinen eigenen Blog, der heißt jetzt aber no information. Naja. Das wird vielleicht doch zu privat. Im elektrischen Reporter vom gewohnt guten Herrn Sixtus kommt Herr Kellner seriös zu Wort. Und erzählt, warum er plazes überhaupt macht. Nur: Will man das wissen? Ja. Denn das ist zwar Nabelschau, aber dann doch auch die Zukunft. Denn im Prinzip kann man auch einfach jemanden fragen, wenn man die nächste Pizza sucht, aber genaugenommen ist plazes.com doch eine Revolution. Denn endlich wird es möglich, den realen Ort bruchfrei ins Netz zu integrieren, einschließlich dem aktuellen Aufenthaltsort des Freundes, seiner freigegebenen Flickr-Fotos, seinen Lieblingsplätzen und Kommentaren seiner Clique. Und dieses Mischmasch aus Blog, Postkarte, Gelbe-Seiten und Kontaktmanagement-Tool ist im bisher anonymen Großnetz unheimlich attraktiv. Deswegen ist plazes auch für den Red Herring nominiert.
Für die ganz besessenen, gibt es Barcodes für einzelne Plazes-URLs, die man ausdrucken und real auf die entsprechende Häuserwand kleben kann. Der nächste Spaziergänger mit Digitalkamera kann sie dann einfach in sein mobiles Internet einspeisen und weiß, wer sonst noch im Restaurant sitzt.
Die große Konkurrenz von plazes heißt übrigen Twitter und ist, wenn wir schonmal beim Thema sind, auch einen Blick wert: Auf twitter.com kann man mit Leuten chatten und auf twittervision rast man mit einer virtuellen Weltkarte zu den Orten, von denen die Nachrichten gesendet werden. Und natürlich gibt es auch das Tool, das Plazes und Twitter vereint: Das Mashup Twazer publiziert neue Standorte direkt in Twitter.
Damit ist McLuhan wohl endgültig abgefrühstückt. Wer braucht das globale Dorf, wenn er die virtuell unterstützte Dörflichkeit hat?

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Semantic Web Teil 1 :: der Turing-Test, Eliza und die Folgen

Es begann mit Eliza (hier ein anderer Nachbau), einem Programm von Joseph Weizenbaum, das sich als Psychologin ausgab: Die Maschine antwortete so clever, dass etliche Klienten sich wirklich in ihren Probleme verstanden fühlten. Nach den bahnbrechenden Forschungsreihen mit Eliza rückte die künstliche Intelligenz als Forschungsfeld ins Zentrum der Informatik. Weizenbaum wurde die neue Gallionsfigur der künftig zum Trend hochstilisierten künstlichen Intelligenz, moderner: KI.

Gescheitert ist Eliza trotz allem am sogenannten Turing-Test. Alen Turing war ein Mathematiker, der eine bahnbrechende Idee hatte: Wenn man mit einer Maschine kommuniziert, die darauf programmiert ist, einen Menschen nachzuahmen, woran könnte man merken, dass es eine Maschine ist und kein Mensch? Der Fragenkatalog, den er daraufhin formulierte, heißt Turing-Test (ausführlicher Artikel hier, weitere Quellen hier). Vor diesem Test mussten bisher alle kapitulieren. Ein Preis der Cambridge University, nach einem weltbekannter Forscher Loebner Prize betitelt und mit 100.000 $ dotiert, gehört der Maschine, der als erste die Überwindung des Turing-Tests gelingt. Wie gesagt: Bisher gibt es nur lobende Erwähnungen. Dreimal gewonnen hat Alice die zahlreichen Kontrahenten heißen Claudio (der im Gespräch den Enneagrammtyp des Nutzers ermittelt), Buddhabot (the first spiritual machine) oder Ellaz (die angeblich so ziemlich alles kann). Die Erotikindustrie hat ihrerseits VirtualFem ins Rennen geschickt, eine zugegebenermaßen attraktive Roboterin, deren Verständigungsanspruch jedoch qua Funktion gar nicht erst in die höheren Gefilde der Grammatik vordringen muss. Das reicht Ihnen an virtueller Intelligenz? Ist alles nicht so richtig menschlich? Sie haben genug? Vergessen Sie´s. Bisher arbeiten diese Bots ja nur über Tastatureingaben, in Zukunft lernen sie reden: Die Computer fangen jetzt schon an zu sprechen, meine Anrufe entgegenzunehmen und in meinem Namen irgendwo anzurufen. Na schönen Dank, brave new world.

>> Das nächste Mal geht´s um Suchmaschinen, die wirklich verstehen, was sie wissen wollen. Angeblich.

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Crowdsourcing - Arbeit für die Massen :: amazon mechanical turk

Amazon war einer der ersten, die in das Metier eingestiegen sind: Das Portal Mechanical Turk, eine gegenwartsangemessene Schnittstelle für den Taylorismus, soll alle möglichen Aufgaben “die Menschen besser können als Computer” an die breite Masse auslagern:

Complete simple tasks that people do better than computers. And, get paid for it.

Technisch nennt sich das Crowdsourcing: Stupide Jobs mit einem Niveau zwischen Automat und Praktikant werden der Crowd übergeben - einer Masse Billigarbeiter im Internet, die bereit sind, für wenig Geld an verschiedensten Aufgaben zu arbeiten.
Was das heißt, beweist ein Kunstprojekt des Instituts für Design an der University of California: Für thesheepmarket wurden Menschen gebeten, 10.000 Schafe zu zeichnen - für 0,69$ pro Stunde. Innerhalb von 40 Tagen haben rund 7500 Menschen Schafe gezeichnet. 662 Schafe mit einem Gegenwert von je 2 US-Cent wurden zurückgewiesen. Durchschnittlich wurden 11 akzeptable Schafe pro Stunde gezeichnet und eingeschickt. Jeder mag seine eigenen Schlüsse ziehen.
//thesheepmarket.com

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